Begegnungen, Geschichten und Gebäude

  • 0
  • 15. Juli 2016

Reutlingen – Das Bildungszentrum in Migrantenhand e.V. arbeitet ganz dicht dran in Reutlingen. Die Aktiven teilen sich mit Geflüchteten Gebäude und Gelände der ehemaligen Hindenburg Kaserne. 1992 fiel der Komplex im Rahmen der Konversion an die Stadt zurück. 3000 Flüchtlinge sind in Stadt und Landkreis Reutlingen untergebracht, wobei die Stadt rund 111.000 Einwohner zählt.

„Hier sind die Ankömmlinge schon ganz deutlich zu spüren, so deutlich, dass wir durchaus Vorbehalte der Ehrenamtlichen nicht nur innerhalb der Migrantenorganisationen wahrnehmen konnten“, beschreibt Galina Lerner die Situation vor Ort zu Anfang des Jahres. Dagegen wollten sie etwas tun. Es entstanden die „Begegnungen zwischen den verschiedenen Ebenen“. So nennen Galina Lerner, Eva Laufer und die Vorsitzende Njeri Kinyanjai, zugleich auch Ratsherrin im Stadtrat, das Projekt im Rahmen von samo.fa. Es dient dem Abbau von Vorbehalten in den verschiedenen Communities der Migranten gegen die syrischen Flüchtlinge.

Sofie Jamous berichtet von ihren persönlichen Erlebnissen.

Sofie Jamous (links) berichtet von ihren persönlichen Erlebnissen.

Eine Geschichte verbindet und bleibt im Kopf

Sie setzen dazu ein Instrument ein, das die Menschen wahrscheinlich schon von Anbeginn verbindet: sie lassen Geschichten erzählen. Sozusagen im Vorbeigehen kam die Idee, als die Syrerin Sofie Jamous über den Leidensweg ihrer Flucht berichtete. Das sollten auch andere hören und natürlich auch die Ehrenamtlichen aus den MOs, die bis dato eher Zurückhaltung an den Tag gelegt hatten. Der Plan war schnell umgesetzt. Am 18. und 25. Juni wurden die ersten Begegnungen mit Sofie  zwischen den Ebenen veranstaltet. Mit dem erhofften Erfolg. Die Vorbehalte bröckelten angesichts eines konkreten Schicksals. Bis Dezember wird es mit Sofie und zwei weiteren persönlich Betroffenen zweimal im Monat Veranstaltungen geben. Sie gehen sozusagen auf Tournee zu den verschiedenen Vereinen, um mit ihren persönlichen Geschichten den Schicksalen ein Gesicht zu geben.