Bundesweites Netzwerk von Migrantenorganisationen setzt sich für Teilhabe von Menschen mit Fluchtgeschichte ein

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  • 12. September 2019

Am 20./21.September 2019 treffen sich Vertreter*innen aus Migrant*innenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit aus 34 Städten in Halle (Saale), um mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über Perspektiven auf das Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland zu diskutieren.

Unter dem Motto „Angekommen? Teilhaben jetzt!“ findet am 20./21. September im Stadthaus der Stadt Halle (Saale) die Bundesdialogkonferenz des bundesweiten samo.fa-Netzwerkes aus rund 500 Migrant*innenorganisationen statt. Samo.fa steht für die „Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit“ und wird vom Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. (BV NeMO) getragen. Die Organisationen und Aktiven mit eigener oder familiären Migrationsgeschichte im Netzwerk unterstützen und begleiten seit 2016 in 34 Städten 13 Bundesländern Menschen mit Fluchtgeschichte beim Ankommen in der deutschen Gesellschaft – und haben sich zu einem wichtigen Akteur bei der Integration von Neubürger*innen in Kommunen und Nachbarschaften entwickelt.

Auf der Konferenz wird eine Zwischenbilanz der Arbeit gezogen: Wo steht das Einwanderungsland Deutschland heute in 2019 – auch vor dem Hintergrund, dass in einigen Bundesländern rechtspopulistische Partei zunehmend Wahlberechtigte erreichen? Wie können Menschen mit Fluchtgeschichte weiter beim Ankommen in der Gesellschaft begleitet werden – um hier selbstbestimmt und gleichberechtigt zu leben? Fest steht: Der Weg ist noch lang. Und: Das Ziel muss Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen sein – für diejenigen, die schon hier sind und die, die neu dazukommen.

Gäste der Konferenz sind unter anderem der SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby und der wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Hacı-Halil Uslucan.

Vor der Veranstaltung findet eine Pressekonferenz statt.

Wann? 11 Uhr

Wo? Im Saal des Stadthauses, Marktplatz 2, 06108 Halle (Saale)

Wer kommt? Dr. Ümit Koşan und Dr. Elizabeth Beloe, Vorstand des BV NeMO und Leitungsteam von samo.fa, Dr. Tarek Ali, Vorstand von VeMO Halle e.V. und Olga Hollek, samo.fa Koordinatorin Halle (Saale)

Anmeldung bis zum 18. September an presse@bv-nemo.de.

Das aktuelle Programm zur Konferenz gibt es auf der Seite von samo.fa als Download.

So arbeitet samo.fa

Zum Beispiel in Stralsund beim samo.fa-Partner Tutmonde e.V., wo Frauen mit Fluchtgeschichte erfolgreich in Ausbildung vermittelt werden konnten – trotz hoher bürokratischer Hürden und den vielen Vorurteilen, die den Bewerberinnen begegneten:

„Ausbildung und Arbeit zu finden, ist zentral, um wirklich in einer Stadt anzukommen und sich ein Leben aufzubauen“, sagt Jana Michael, samo.fa-Koordinatorin und Geschäftsführerin von Tutmonde e.V. Deshalb hat samo.fa Stralsund 2019 in Workshops mit geflüchteten Frauen nicht nur erarbeitet, wie und wo sie Jobangebote finden, wie Bewerbungsunterlagen erstellt werden und wie sie sich in Vorstellungsgesprächen präsentieren. „Empowerment gegen Rassismus und Diskriminierung war ein sehr wichtiger Bestandteil aller Jobtrainings“, erzählt Michael. „Die Teilnehmerinnen haben erschütternde Geschichten über Anfeindungen erzählt, insbesondere die Frauen mit Kopftuch. Sie vor diesem Hintergrund von sich und ihren Fähigkeiten am Arbeitsmarkt zu überzeugen, war die zentrale Herausforderung.“ Zur erfolgreichen Arbeit der samo.fa-Aktiven – der hauptamtlichen und der ehrenamtlichen – gehörte hier aber noch mehr: Überzeugungsarbeit bei Unternehmer*innen vor Ort, geflüchtete Frauen mit unsicherem Aufenthaltsstatus und sichtbarer Einwanderungsgeschichte einzustellen. Und zahllose Gespräche mit dem Jobcenter und dem Ausländeramt, weil einige der jetzt erfolgreich vermittelten Frauen mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland leben. „Durch samo.fa haben wir einen guten Kontakt zur Integrationsbeauftragen des Landes aufgebaut, der uns bei diesen bürokratischen Hürden sehr genutzt hat.“

Oder in Potsdam beim samo.fa-Partner Mepa e.V., wo Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte in wöchentlichen Gesprächscafés ihr Deutsch verbessern, private und berufliche Kontakte zu Menschen aus der Nachbarschaft knüpfen – und damit gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und dem Zusammenleben im Quartier leisten:

„Es leben in unserer Stadt Potsdam auch Geflüchtete, die im Alltag zu wenig Gelegenheit haben, Deutsch zu sprechen“, sagt samo.fa-Koordinator Obiri Mokini. „Das schadet ihnen dann, wenn sie ein Vorstellungsgespräch haben oder wenn sie mit den Lehrern ihrer Kinder sprechen wollen.“ Um sie dabei zu unterstützen, gibt es jeden Freitag ein Gesprächscafé, bei dem sich Menschen mit Fluchtgeschichte mit Potsdamer*innen mit deutscher Muttersprache treffen. „Gesprächssprache ist Deutsch und die deutschsprachigen Gäste verbessern Aussprache und Grammatik im lockeren Gespräch über alles Mögliche“, sagt Mokini. „Es geht um Busfahrpläne, Bibliotheksangebote, aber auch um anstehende Jobinterviews oder Erfahrungen beim Arzt.“ Manchmal kommen auch lokale Vereine und Bildungsträger und stellen ihre Angebote vor, manchmal organisieren die Gäste zusammen einen Ausflug. „Durch das Gesprächscafé hat es schon für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer geklappt, dass sie Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen haben“, sagt Mokini. „Das Deutsch wird trainiert, aber die Menschen knüpfen auch Bekanntschaften.“ Flucht, Ankommen und auch fehlende Teilhabe sind immer wieder Thema im Café: „Alle Potsdamer lernen hier viel voneinander“, sagt Mokini. „Verschiedene Perspektiven und mehr Verständnis füreinander.“