„Der Aufstieg von Ahmad”: Theater- und Konzertabend im Kulturzentrum Faust

  • 0
  • 20. Oktober 2019

„ … dann machen wir alles anders!“

„Der Aufstieg von Ahmad” war der Titel einer vielseitigen Abendveranstaltung, die am 18.10.2019 im hannoverschen Kulturzentrum Faust stattfand. „Annäherungen an Identität, die Angst, diese zu verlieren und den Spaß am Spiel mit Identität(en)“ so wurde der gut besuchte Abend von Moderatorin Séverine Jean (Projektleitung Wir sind viele – Einwanderungsgesellschaft für heute und morgen neu denken des BV NeMO) und Veranstalter Eby Tangara vom MiSO-Mitgliedsverein Hakili-So angekündigt. Geboten wurden bei freiem Eintritt und Essen aus der Elfenbeinküste zwei Theaterstücke mit anschließender Publikumsdiskussion und westafrikanischer Musik.

Falk Richters Theatertext FEAR aus dem Jahr 2015 beschäftigt sich mit Angst, Hass und Gewalt vor dem Hintergrund der erstarkenden Neuen Rechten und dem christlichen Fundamentalismus. 2019 haben sich die Schauspielstudenten Justin Hibbeler und Paul Lonnemann mit dem Stück und auch den Entwicklungen der letzten Jahre beschäftigt. Es ging um Vorurteile gegen Migrant*innen und alltäglichen Rassismus. Der erstarkte Rechtspopulismus wurde eindrucksvoll über eine nachgespielte Rede von Björn Höcke vermittelt, des AfD-Führers aus Thüringen.

„Ahmed und Friederike“ von und mit Haytham Hmeidan

Identität ist unteilbar. Sie kann nicht seziert und in Schubladen gesteckt werden. Doch je nach Umgebung, an der wir teilhaben oder die uns zu definieren sucht, werden andere Aspekte für uns erfahrbar. So geht es auch Ahmad, gespielt von Haytham Hmeidan. Die Ankunft des Syrers in Europa war eine Zeit der Schwerelosigkeit, eine Zwischen-Zeit zwischen dem Himmel der Hoffnungen und dem harten Boden der Realität. Er fühlt Sprünge und Risse – einen Kulturschock, ethnische Zuschreibungen, sprachliche Hürden – und erlebt das als inneren Konflikt. Doch Ahmad zieht sich nicht zurück. Er tritt mit der neuen Gesellschaft in Beziehung – vor allem in der Person seiner Nachbarin Friederike, gespielt von Ruth Bohsung.

Im Anschluss an die beiden Vorstellungen wurde – moderiert von Séverine Jean, die das Projekt „Wir sind viele – Einwanderungsgesellschaft für heute und morgen neu denken“ im Rahmen von „Demokratie leben“ vertrat – von den Darsteller*innen diskutiert. Über Heimat, Identität, Rassismus und Partizipation. „Wir schreiben die Papiere nochmal neu. Dann machen wir alles anders“, sagte Ahmad-Darsteller Haytham Hmeidan. Nach der interessanten Diskussion gab es ein fulminantes Finale: Teile des Publikums tanzten mit den Schauspieler*innen auf der Bühne nach arabischen Klängen.

Erzählungen und Melodien der afrikanischen Seele von Dr. Urbain N‘Dakon

Musikbotschafter der Elfenbeinküste in der Kategorie „Moderne Liedermacher” ist Dr. Urbain N’Dakon. Er begleitete seine selbstkomponierten, poetischen und melodischen Lieder in der Regionalsprache Nzema zum Erholen und Nachdenken mit der Akustik-Gitarre. Zwischendurch erzählte er auf Deutsch philosophische Fabeln aus seiner Heimat in West-Afrika.

In der Landeshauptstadt Hannover hat der 55-Jährige eine weitere Rolle: Seit August 2019 ist er Geschäftsführer des MiSO-Netzwerkes.