Eine starke Stimme aus NRW: Landesverband stellt sich vor

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  • 19. Oktober 2018

Düsseldorf, 18. Oktober 2018. In Nordrhein-Westfalen haben sich mehr als 160 Migrantenorganisationen aus lokalen Verbünden in sieben Städten zum Landesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen zusammengeschlossen. Bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 18. Oktober 2018, im Düsseldorfer Stadtmuseum kamen sie unter anderem mit Serap Güler, Staatssekretärin für Integration um Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration und der Integrationsbeauftragten der Landeshauptstadt Düsseldorf, Miriam Koch, ins Gespräch.

Die Integrationsstaatssekretärin lobte dabei die kulturelle Vielfalt des in NRW einzigartigen Verbandes:

„Es ist ein wichtiges Signal, wenn sich so viele Migrantenselbstorganisationen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenschließen. Sie zeigen: Wir setzen uns für eine gemeinsame Sache ein. Die Migration hat Nordrhein-Westfalen geprägt und sie bereichert unsere Gesellschaft. Deswegen freue ich mich, dass der Landesverband in Zukunft eine wichtige Stimme sein wird. Mit der Landesregierung steht Ihnen in Ihrer Arbeit ein starker Partner zur Seite.“

In der Podiumsdiskussion mit Armel Djine (VMDO), Hamdi Berdid (Raum der Kulturen Neuss), Cemalettin Özer (BI-NEMO) und Joana Gerdt (NDMO) betonte die CDU-Politikerin: „Es sollte darauf ankommen, wo man hin will, nicht wo man herkommt.“

Die Enkelgeneration der so genannten Gastarbeiter dulde die Frage nach der Herkunft längst nicht mehr unhinterfragt: „Sie kommen eben aus Dortmund oder Köln und sind viel sensibler für Alltagsdiskriminierung als ihre Eltern und Großeltern“, sagt Güler, die die Gesellschaft insgesamt als viel weniger weit bei der Integrationsfähigkeit wahrnimmt als noch vor 30 Jahren. Dass rechtpopulistische Hetze anschlussfähig werde, sei fatal. „Die hier lebenden Menschen mit Migrationsgeschichte sind aber selbstbewusster geworden und fordern Teilhabe ein: Das verursacht Irritation, ist aber ein sehr wichtiger und notwendiger Streit für eine weltoffene Gesellschaft.“

Joana Gerdt betonte als Vorsitzende des neuen Landesverbandes, dass es den Migrantenorganisationen im Netzwerk auch nicht reicht, Forderungen zu stellen: „Wir wollen Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft gestalten und nicht mehr wegzudenken sein auf der gesellschaftlichen Landkarte.“ Deshalb war auch das noch immer fehlende kommunale Wahlrecht für Nicht-Deutsche wichtiges Thema der Podiumsdiskussion: „Wenn die Hälfte der Menschen in den Städten nicht wählen darf, wie sollen sie sich dann parteipolitisch einbringen?“, fragte Cemalettin Özer auf die politische Ausrichtung von Migrantenorganisationen angesprochen. „Vielleicht könnten ja die Migrantinnen und Migranten in Deutschland die 10 Prozent AfD-Wähler ausgleichen, wenn man sie lässt.“ Auch BV NeMO-Vorsitzender Ümit Koşan hatte das fehlende kommunale Wahlrecht bei seiner Begrüßung scharf kritisiert und sieht gleichberechtige Rolle für Migrantenorganisationen in der Stadtgesellschaft als überfällig an.

„Es geht darum, ein besseres Leben in Deutschland und in unseren Städten zu ermöglichen“, erklärte Armel Djine den Perspektivwechsel, den Migrantenorganisationen im kulturübergreifenden BV NEMO und jetzt auch im NRW-Verband durchlaufen haben. „Es geht nicht darum, die speziellen Interessen einer einzelnen Community zu vertreten, sondern vor Ort zusammen zu arbeiten und Ansprechpartner und Wegweiser für viele zu sein.“ Hamdi Berdid betonte, dass sich der Landesverband als legitimer Ansprechpartner gegenüber der Politik etablieren will – als Vertreter der Perspektiven der migrantischen Communities. Denn: „Wir leben in keiner diskriminierungsfreien Gesellschaft, ganz und gar nicht“, das stand für alle Teilnehmer*innen des Podiums fest.

Der neue Verband will für mehr Dialog und gegen mangelnde Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichten einsetzen. Zudem will er den Wissensaustausch untereinander fördern, ebenso wie die Gründung lokaler kulturübergreifender Verbünde in weiteren  Städten in NRW. Denn: „Im Mittelpunkt steht die Zukunft der Stadtgesellschaft“, so Ümit Koşan.

Im LV NeMO sind derzeit sieben Verbünde aus sieben NRW-Städten vernetzt: Der Verbund Netzwerk Düsseldorfer Migrantenorganisationen (NDMO), das Bielefelder Netzwerk der Migrantenorganisationen (BI-NEMO), der Kölner Verbund interkultureller Organisationen, der Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine Dortmund (VMDO), der Raum der Kulturen Neuss, der Verband für Kultur und Integration in Mönchengladbach (VKI) und das Bochumer Netzwerk von Migrantenorganisationen (BONEM). Die Verbünde arbeiten bereits im Projekt samo.fa (Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit) des Bundesverbandes Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. mit Sitz in Dortmund und Berlin erfolgreich zusammen.

Pressekontakt Joana Gerdt, j.gerdt@lv-nemo-nrw.de, 0163/89 789 44