Migration braucht positive Vorbilder: Migrantenorganisationen im Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier

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  • 12. Oktober 2018

Am Montag, dem 8. Oktober 2018, haben sich die NeMO-Vorstandsvorsitzenden Dr. Ümit Koşan und Elizabeth Beloe zusammen mit anderen Vertreter*innen migrantischer Dachverbände zu Gesprächen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier getroffen, um ihm aus ihrer praktischen Arbeit zu berichten und ihre Perspektiven auf Politik und Gesellschaft zu teilen. Schwerpunkte der Gespräche waren der wachsende Rassismus in der deutschen Gesellschaft, den viele Migrant*innen in der Bundesrepublik mit Sorge bemerken und alltäglich erfahren, und die Arbeit an der interkulturellen Öffnung von Institutionen der Politik, Kultur und Wirtschaft, in denen Menschen mit Migrationsgeschichte derzeit unzureichend repräsentiert sind. „Teilhabe vor Ort, in der Nachbarschaft, in den lokalen politischen Gremien ist das wichtigste Element, um Vorurteile zu beseitigen. Dafür brauchen wir einen gesicherten Raum“, sagte Ümit Koşan. Eine Einschätzung, die der Bundespräsident teilte. Auch eine weitere wichtige Bewertung gaben die beiden NeMO-Vorsitzenden bei dem Gespräch mit: Das von der Koalition beschlossene Einwanderungsgesetz erfüllt die Erwartungen der Migrantenorganisationen im BV NeMO e.V. nicht. Denn: Es ist ein Gesetz, dass den Zuzug von Arbeitskräften reguliert. „Wir brauchen aber ein Teilhabegesetz, das generationenübergreifend die Interessen der Migrantinnen und Migranten berücksichtigt, die lange hier leben“, sagte Ümit Koşan. Diese gehen auch in der öffentlichen Darstellung oft unter. „Migration braucht Vorbilder“, betonte deshalb Elizabeth Beloe in dem Gespräch. Dazu gehöre auch eine positive öffentliche Darstellung des vielfältigen Engagements von Menschen mit Migrationsgeschichte.

Diskutiert wurde im gemeinsamen Gespräch der Dachverbände auch der Umgang mit Nationalismus unter Migrant*innen und das dringend notwendige kommunale Wahlrecht für Menschen mit Migrationsgeschichte. Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seine Unterstützung weiterhin zugesagt und sagte, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und das gerade bearbeitete Einwanderungsgesetz die Vielfalt der Gesellschaft anerkennt und das Potenzial als ein positiver Schritt sichtbar macht.

Neben dem BV NeMO e.V. nahmen die Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen e.V., der Dachverband der Migrantinnenorganisationen DaMigra e.V., die Türkische Gemeinde Deutschland TGD e.V., die Neuen Deutschen Organisationen e.V. und der Dachverband der ostdeutschen Migrantenorganisationen DaMost e.V. teil.

Foto: Sandra Steins