Wieder Angriffe gegen Aktive in der Flüchtlingsarbeit: Wir lassen uns nicht einschüchtern!

  • 0
  • 29. Januar 2020

 Zahlreiche Menschen engagieren sich seit Jahren in der Arbeit mit Geflüchteten vor Ort, unter ihnen viele mit eigener Einwanderungsgeschichte. Dies gilt besonders für das Vorhaben „Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit“ (samo.fa), das seit 2016 – gefördert von der Bundesregierung – an 34 Orten in Deutschland läuft. Auch in Stralsund, dort ist Tutmonde e.V. lokaler Partner.

Aus Stralsund erreichte uns am 23. Januar 2020 die Nachricht, dass das Gemeinschaftsbüro von Tutmonde und zwei weiteren Organisationen mehrere Stunden von drei Männern aus offensichtlich rechtsradikalen Motiven belagert und anschließend unsere Koordinatorin von samo.fa auf ihrem Weg zum Auto bedrängt und verletzt worden ist. Eine Kollegin wurde zudem auf dem Weg in die Innenstadt auf ihrem Fahrrad angegriffen und erlitt Verletzungen. Die Kriminalpolizei und andere einschlägige Dienststellen wurden sofort eingeschaltet.

Am 31. Januar 2020, sind in Dortmund Vertreter*innen aus allen Standorten von samo.fa versammelt. Wir stellen gemeinsam fest:

Der Vorfall in Stralsund reiht sich in immer mehr Erfahrungen ein, dass – neben Menschen mit Fluchtgeschichte, die angegriffen und diskriminiert werden – immer stärker auch jene Menschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren und zu ihnen stehen, unter massiven Druck geraten. Das gesellschaftliche Klima hat sich deutlich verschlechtert. Obwohl die Sensibilisierung gegenüber rechtsradikaler Gewalt nach dem Anschlag auf die Synagoge und die Morde in Halle gestiegen zu sein scheint, sind Schutz und Solidarität mit den Menschen mit Fluchtgeschichte, die mit uns leben, nicht ausreichend.

Selbstverständlich sind wir mit unseren Freund*innen in Stralsund solidarisch; das heißt: Wir werden Angriffe und Einschüchterungen und deren gesellschaftliche Folgen bei uns vor Ort zu einem Dauerthema machen, jede*r von uns. Wir werden uns an die Bürgermeister*innen unserer Städte wenden und mit ihnen klären, wie Anerkennung, Schutz und Solidarität verstärkt werden können. Wir wenden uns an die Politiker*innen auf der lokalen, auf der Landes- und Bundesebene mit dem dringenden Appell, die zunehmenden Anfeindungen, die Übergriffe und Einschüchterungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern sich ihnen klar und eindeutig entgegenzustellen.

Die Koordinator*innen des samo.fa-Projekts:

moveGLOBAL e.V., Berlin; BINeMO e.V., Bielefeld; IFAK e.V., Bochum; Haus der Kulturen Braunschweig e.V. ; VMDO e.V., Dortmund;  Afropa e.V. , Dresden; Verbund Netzwerk Düsseldorfer Migrantenorganisationen e.V. ; Landesverband der Sinti und Roma RomnoKher Thüringen e.V., Erfurt; FAIRburg e.V., Freiburg; Interkulturelles Forum Fulda e.V. ; Deutsch-Russische Gesellschaft Göttingen e.V. ; Amandla e.V., Güstrow; Verband der Migrantenorganisationen Halle (VeMO) e.V. ; MiSO-Netzwerk Hannover e.V. ;  Netzwerk der Kulturen Heilbronn e.V. ; Brücke der Kulturen Hildesheim e.V. ; Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein e.V., Kiel; Solibund e.V., Köln; MEPa e.V., Leipzig und Potsdam;  Interkulturelle Begegnungsstätte e.V. Haus der Kulturen, Lübeck;  Radio für Migration und Hilfen e.V., Mönchengladbach;  MORGEN e.V., München;  Afrika Kooperative e.V., Münster; Raum der Kulturen Neuss e.V. ; MOiN e.V., Nürnberg;  Bildungszentrum in Migrantenhand e. V., Reutlingen;  Haus Afrika e.V., Saarbrücken; Tutmonde e.V, Stralsund; Forum der Kulturen Stuttgart e.V. ; Kulturbrücke Palästina Thüringen e.V., Weimar; Wittener Institut für Interkulturelle Kompetenz e.V.