Wir sind viele – Gegen Rassismus und Diskriminierung

Die Auseinandersetzung mit Rassismus gehört zum Alltag von Migrant*innenorganisationen. Sie erfahren täglich, dass Menschen mit (tatsächlichem oder zugeschriebenem) Migrationshintergrund von Ausschlüssen und Benachteiligung betroffen sind: In den Bereichen Bildung[1], Arbeit/Ausbildung[2], Wohnungsmarkt[3]und in Verwaltungen wird spürbar, wie fest verankert strukturelle Diskriminierung in Deutschland ist. Weit verbreitete rassistische Einstellungen[4] schlagen sich in beleidigenden Äußerungen auf offener Straße, in Drohungen und Gewalt nieder: 2016 wurden allein in Berlin mindestens 553 Menschen verletzt, gejagt und massiv bedroht, darunter 45 Kinder.[5]

Das Projekt „Wir sind viele – Gegen Rassismus und Diskriminierung“ zielt darauf ab, die Sprach- und Handlungsfähigkeit von Migrant*innenorganisationen zu stärken und Strategien im Umgang mit diesen Themen zu entwickeln. Im gesamten Bundesgebiet wird der Bundesverband gemeinsam mit seinen Verbünden Workshops durchführen, die dem Empowerment, der Information und der (Selbst)reflexion dienen. Der Fokus liegt dabei auf in Migrant*innenorganisationen tätigen, von Rassismus betroffenen Menschen: Gerade in dem derzeitigen politischen Klima gilt es, die Communities zu vernetzen und darin zu bestärken, sich gegen jede Form der Diskriminierung zu positionieren.

Der Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen hat derzeit 14 Verbünde mit insgesamt 530 Vereinen, die sich auf kommunaler Ebene für die gleichberechtigte Teilhabe aller von Diskriminierung betroffenen Menschen einsetzen.

Das Projekt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Integration und Flüchtlinge.

Ansprechperson:

Sara Djahim: +49 (0)30 265 709 06 │ s.djahim@bv-nemo.de

 

Gefördert durch

 

[1] Lehrer empfehlen mehrheitlich Kinder aus höheren sozio-ökonomischen Schichten für das Gymnasium. Hierdurch werden insbesondere auch Kinder mit Migrationshintergrund benachteiligt. Das früh selektierende, viergliedrige Schulsystem begünstigt die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund Quelle: ECRI-Bericht über Deutschland (2014) https://www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/Country-by-country/Germany/DEU-CbC-V-2014-002-DEU.pdf#page=10

 

[2]Aus Sorge vor Sprachbarrieren oder „kulturellen Unterschieden“ haben über 70 Prozent der Betriebe noch nie einen Azubi mit ausländischen Wurzeln eingestellt. Quelle: Bertelsmann-Stiftung (2015): Berufsausbildung junger Menschen mit Migrationshintergrund Eine repräsentative Befragung von Betriebenhttp://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/LL_GB_Integration_UnternBefr_Links_2015.pdf

Haben sie dann einen Ausbildungsplatz gefunden, wird mehr als jede_r fünfte Auszubildende mit Migrationshintergrund aufgrund der Herkunft oder Staatsangehörigkeit diskriminiert. Quelle: DGB-Ausbildungsreport (2015) http://jugend.dgb.de/meldungen/ausbildung/++co++17b94d5c-5148-11e5-8415-525400808b5c#

 

[3] Antidiskriminierungsstelle (2015):Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt Strategien zum Nachweis rassistischer Benachteiligungen. http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertisen/Expertise_Wohnungsmarkt_20150615.pdf?__blob=publicationFile

 

Siehe dazu auch: Antidiskriminierungsberatung Brandenburg/ Opferperspektive e.V. (2017): Rassismus auf dem Wohnungsmarkt: Diskriminierung erkennen und bekämpfen. Eine Handreichung für Vermieter*innen, Beratungsstellen und Betroffene http://www.opferperspektive.de/antidiskriminierungsberatung/rassismus-auf-dem-wohnungsmarkt

 

[4] In einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung waren 13% der Befragten der Meinung, dass Weiße zu Recht führend in der Welt seien, 16%  waren für eine Ausweisung von Ausländern in ihre »Heimat«.  Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung (2016): Gespaltene Mitte – Feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland. http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_16/Gespaltene%20Mitte_Feindselige%20Zust%C3%A4nde.pdf

 

[5] https://www.reachoutberlin.de/de/content/neuer-h%C3%B6chststand-%E2%80%93-mehr-rassistische-gewalttaten-berlin